Süddeutsche Zeitung - SZ: Poetische
Dichte [EVEYLN PSCHAK]
Die Performance "Zum Sterben schön" in der White
Box
Es gibt keine Zufälle. Eine kleine Motte tanzt in abrupten Zickzacklinien
zwischen den Scheinwerfern. Von der Schauspielerin noch keine
Spur, der Nachtfalter beansprucht den Bühnenraum im unteren Stockwerk
der "White Box", umkreist im Stolperflug den braun
geblumten Ohrensessel, das Rolltischchen samt Fernseher, einen
alten braunen Koffer. Links hängt von einem Stahlträger eine
rote, zum Kokon geknotete Schärpe herab. Zu Flötenspiel (Cornelia
Kleyboldt) kündigt sich der Schlupf eines zweiten Falters an.
Diesmal ist es die Protagonistin, Ditte Schupp. Als moderne Erinnye,
als Rachegöttin, kämpft sie sich durch einen Monolog gegen die
Ungerechtigkeit des Todes. Wut, Erschöpfung, und Ratlosigkeit
fließen in ihre Worte, die Rezitationen wirken oft brüchig und
gacksend. Die Stimme der Trauer ist dem Ohr kein Fest.
Drei Jahre schrieb die Autorin und Schauspielerin an diesem
Stakkato. "Worte, die eine Festung bilden gegen die Unbill
einer feindlichen Welt", schreit sie dem Publikum als Furie
entgegen und wirkt dabei so zerbrechlich und fahrig, dass man
ihr das Messer, mit dem sie einen Apfel schält, aus der Hand
nehmen möchte, aus Angst, sie könnte sich schneiden. Schupp verarbeitete
Begegnungen mit dem Tod zu "einer Verdichtung, einer Essenz",
wie sie erklärt, " deswegen ist es natürlich zum Teil auch
sehr abstrakt, das ist mir klar".
Ihre Gedankensplitter wurden von Alexander May, der nach Regieassistenzen
bei Christoph Schlingensief und Claus Peymann jetzt als freier
Regisseur arbeitet, szenisch eingerichtet. Die Performance ist
in eine Ausstellung der Künstler Sybille Loew, Bernhard Blank
und Sven Kalb eingebettet, wobei vor allem die Installation von
Loew dem Raum poetische Dichte verschafft: Stoffschilder hängen
an Fäden von der Decke, jedes einzelne bestickt mit dem Namen,
Todestag und Alter eines in München im Jahre 2005 einsam gestorbenen
Menschen.
Schupp streicht durch das filigrane Memento mori, zitiert die
Namen, vermischt sie mit eigenen Verlusten und verzögert so das
Vergessen: "Ich bin der Meinung, dass man nur richtig leben
kann, wenn man sich bewusst ist, dass Sterben jederzeit möglich
ist. Das hat nichts Morbides, es ist sogar lebensbejahend, deswegen
heißt es auch zum Sterben schön". Man kann nur dann gut
leben, wenn man das Leben würdigt. Dafür habe ich diesen Abend
gemacht."
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.86, Samstag, den 14. April 2007 , Seite 61
Abendzeitung - AZ: Göttin Liliths Klage [MATHIAS
HEJNY]
Theaterbilder zur Ausstellung: Ditte Schupps Projekt "Zum
Sterben schön" Sie träumte den Traum der Romantiker vom Gesamtkunstwerk. Die
in München lebende Schauspielerin Ditte Schupp erfüllte sich
nun mit dem Projekt "Zum Sterben schön" diesen Traum
auf ihre Weise: Sie spielt nicht im Theater, sondern in der Kunstgalerie
whiteBOX und reagiert auf eine Ausstellung deren Exponate gleichfalls
zu Thema "zum Sterben schön" gesammelt wurden.
Mit der Rauminstallation "Stiller Abgang" gedenkt Sybille
Loew all derer, die in München 2005 ohne jegliche Angehörige
starben. Die Toten sind repräsentiert durch von der Decke hängende
Etiketten, deren karge Information über Name, Todestag und Alter
die Fantasie über dahinter verborgen bleibende Personen in Bewegung
setzen. Bernhard Blank ließ sich von altägyptischen Gräbern zu
dem Bild "Die Scheintür" als Verbindung zwischen Hier
und Jenseits inspirieren. Sven Kalb zeigt auf großformatigen
Gemälden in expressiver Gestik die Verletzlichkeit und Verwandlungen
des menschlichen Gesichts. Dazu webt Cornelia Kleyboldt mit mehreren
Flöten einen atmosphärereichen, schwebenden Klangteppich.
Hier bewegt sich Ditte Schupp als Totengöttin Lilith auf Forschungsreisen
durch das Leben. Die Passage beginnt mit dem Fall aus einem blutroten
Kokon und endet mit dem unauffälligen Verschwinden aus dem Raum
(szeninische Einrichtung. Alexander May). Lilith beklagt Häutungen,
Wandlungen und Vergehen, wobei sie zum Sterben viel zu schön
ist (Kostüm: Monika Staykova).
Quelle: Abendzeitung
Nr 86, Samstag, den 14. April 2007, Seite 26 |
SZ - München
Frau Ditte trug ein hochgeschlossenes, ärmelloses Kleid aus
rotem Samt, und für ihr hingehauchtes „Danke“ nach den Songs
würde manch besserer Herr seinen rechten Arm geben. Am Schluß
kam das Lied vom Waldemar, das Beautys feinherben Charme zum
Strahlen brachte. „Er heißt Waldemar / und hat schwarzes Haar
/ Er ist nicht stolz und nicht kühn / aber ich liebe ihn.“ Da
möchte man glatt Waldemar heißen.
TZ - München
Das Aussehen fürs Showbiz hat sie. Schauspielerische Ausbildung
und Begabung auch. Ditte Schupps Begabung liegt in ihrer Bühnenpräsenz,
ihrem kömödiantischem Witz und frischer Verwandlungsgabe.
AZ - München
Eine Blondmischung aus Marylin und Marlene, singt sie mit sanft
-samtiger Stimme Songs der 30er bis 60er Jahre.
SZ - München
Schmal, kühl und streng, ganz in Schwarz mit leuchtend rotem
Mund thront sie hoch oben auf dem Piano und bekennt uns ihre
Laster. Ditte Schupp singt von der Liebe. Sie macht das sehr
gut. Sie beherrscht alle Posen und Tonlagen, den frechen Hüftschwung,
den lasziven Augenaufschlag, den professionellen Himmelwärtsblick,
den kleinen Kiekser in der Stimme, das verruchte Gurren und
das aggressive Schmettern. Dabei erspart sie uns Gott sei Dank
die Dietrich-/Leander-Hitparade. Bis auf einen Hollaender-
und einen Lindenberg-Titel sind es unbekannte Lieder aus den
dreißiger Jahren und eigene, schöne neue Schlager, die sie
präsentiert. Sie hat Charisma und Witz, sie spielt ironisch
mit Klischees von der schnoddrigen Berliner Dirne über die
lispelnde, in sich selbst verliebte Blondine bis zur Domina.
Ein feines Programm.
Ansbacher Tagesspiegel
„Wie werde ich ein Filmstar?“, fragte die blonde Wandelgöre
und legte los mit einem Musik-Kabarett-Programm im Seminarstil.
Ditte sang sich durch das internationale Film-Melodien-Kabinett,
als ob`s ein Spaziergang wäre. Beschwipst sinnlich hauchte
sie: „Kann denn Liebe Sünde sein ?“, bestand in der Up-Speed-Version
von Paul Ankas „My way“ darauf, daß es auch wirklich der ihre
war und träumte bei „As time goes by “ von den Zeiten mit Humphrey.
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